Warum dieses Ostern entspannter ist ...

Warum dieses Ostern entspannter ist…

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Warum dieses Ostern entspannter ist…

Jahrelang habe ich auf Ferrero geschimpft. Dieses Unternehmen, das wie kaum ein anderes für Kinder-Süßigkeiten steht und gleichzeitig Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen wissentlich in Kauf nimmt. Und auch in diesen Tagen stehen die Produkte natürlich Seit an Seit mit anderen großen Süßwaren-Herstellern im Regal.

Familien-Diskussionen inklusive

In der Familie habe ich ein Verbot ausgesprochen für alle nicht fairen Produkte. Mein Sohn darf nach dem Turnen nie eine Milchschnitte, die fast alle anderen Kinder bekommen.
Und Nicht-Faire-Oster-Süßigkeiten kamen natürlich auch nicht ins Körbchen. Auch nicht von Oma und Opa.

Während ich boykottiere, tun andere wirklich was

Im vergangenen Jahr habe ich die Schokofair AG kennengelernt. Eine Gruppe von Kindern, die sich im Rahmen eines Schülerprojektes mit den Arbeitsbedingungen auf Kakao-Plantagen auseinander gesetzt hat und schockiert war. Eine Reportage zeigte Ihnen Kinder auf dem Feld, die nicht zur Schule gehen können, weil sie arbeiten müssen und die mit den Werkzeugen für die Kakao-Ernte schlimme Verletzungen riskieren.

Forderung nach einem Schoko-TÜV

Für die Kinder aus Düsseldorf was sofort klar: „Das darf so nicht sein.“ Und deshalb nahmen sie den Kampf auf – gegen Kinderarbeit und für Gerechtigkeit in der Schokobranche. Und sie suchten sich von Anfang an große Gegner aus. Den italienischen Großkonzern Ferrero beispielsweise.

Ferrero unter Druck

Immer wieder prangert die Schokofair AG die Missstände in der Kakaobranche an, informiert die Öffentlichkeit über die Problematik, fragt bei Ferrero zahlreiche Gesprächstermine an und kontaktiert sogar prominente Werbegesichter des Konzerns wie Sarah Connor.

Dann geschieht ein „Wunder“

Gemeinsam mit anderen Gruppen schaffen die Kinder aus Düsseldorf es tatsächlich Ferrero ins Handeln zu bringen. Das Unternehmen startet die Zusammenarbeit mit Fairtrade und ist inzwischen weltweit größter Abnehmer von Fairtrade Kakao.

Das hat mich erst mal aufatmen lassen und einigen anderen Eltern geht es jetzt vielleicht genau so.

Forderung nach einem Schoko-TÜV

Aber: Erstens ist Ferrero nur einer der Big-Player in der Schokobranche. Und zweitens darf man sich nie zu schnell zufrieden geben.
Deshalb kämpft die Schokofair AG für den Schoko-TÜV – ein Gesetz, das die Schokoladenhersteller dazu zwingen soll ihre Lieferketten offen zu legen. Würden dort Missstände wie Kinderarbeit entdeckt, müsste das Unternehmen Strafen zahlen.

Die Kinder im Gespräch mit den Mächtigen

Ende 2014 haben die Kinder die Idee des Schoko-TÜVs zum ersten Mal nach Berlin getragen und dem Bundestagsbeirat für nachhaltige Entwicklung vorgestellt. Der wollte die Idee prüfen und lud die Kinder ein wieder zu kommen, um zu überprüfen, ob die Politiker ihre Hausaufgaben gemacht haben.
Die erneute Einladung im Dezember 2016 mussten die Kinder mehrfach einfordern und das Ergebnis war für sie enttäuschend: Bislang wurde das geforderte Gesetz nicht weiter diskutiert.

Macht ein Schoko TÜV überhaupt Sinn?

Fairtrade Deutschland hat die Schokofair AG schon ausgezeichnet für deren Engagement. Und die Forderung nach einer transparenten Lieferkette der Unternehmen gibt es auch dort, wie die Pressesprecherin Edith Gmeiner auf Anfrage bestätigt.

„Die Unternehmen müssen über ihre Nachhaltigkeit Bericht erstatten und eine klare Sorgfaltspflicht und Verantwortungsübernahme für Menschenrechte und Umwelt in globalen, regionalen und lokalen Lieferketten durch alle Akteure, inklusive der Zahlung von existenzsichernden Löhnen, gesetzlich verankern. Die bloße Beteiligung an Multistakeholder-Initiativen darf kein Ersatz für konkrete Maßnahmen sein.“

Was ist Kinderarbeit überhaupt?

Auch das Frage ich Edith Gmeiner. Denn nicht jedes Kind, das arbeitet, fällt unter das Stichwort Kinderarbeit.

„Insbesondere der Kakaosektor, beispielsweise in Westafrika, ist anfällig für ausbeuterische Kinderarbeit. Fairtrade unterscheidet nach Definition der IAO zwischen arbeitenden Kindern und ausgebeuteten Kinderarbeitern. Gerade in der Landwirtschaft helfen Kinder häufig ihren Familien und arbeiten mit, da das Einkommen der Kinder für sehr viele Familien lebensnotwendig ist. „Arbeitende Kinder” sind Kinder, die so arbeiten, dass sie trotz einer Tätigkeit zur Schule gehen können, und deren Bildung durch die Arbeit nicht beeinträchtigt wird. Kinder dürfen keine Arbeit verrichten, die ihrer Gesundheit und Entwicklung schaden. Ausbeuterische Kinderarbeit sowie Zwangsarbeit sind im Fairtrade-System verboten.“

Wie geht´s weiter?

Was klar ist: Die Schokofair AG wird keine Ruhe geben und das ist gut so. Die Unternehmen dürfen gewiss sein, dass sie unter strenger Beachtung der Kinder aus Düsseldorf und der gesamten Gesellschaft stehen. Denn niemand, der bei Verstand ist, will seinen Kindern Süßigkeiten schenken, für die andere Kinder ausbeuterisch arbeiten mussten.

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