Social Media und Eco Fashion - Green Janine auf der Innatex

Social Media und Eco Fashion – Green Janine auf der Innatex

Social Media und Eco Fashion – Green Janine auf der Innatex

Als ich dieses Mal zur Innatex nach Wallau fahre, fühle ich mich viel mehr verpflichtet als sonst schnell meinen ersten Post, oder Tweet, oder whatever vom Kölner HBF abzusetzen. Schließlich geht es bei der Paneldiskussion, die ich moderieren darf, darum, ob die Digitalisierung neue Chancen bietet, in diesem Fall für die Modewelt und bei der Innatex noch konkreter: für die grüne Modewelt.

Ich poste also folgendes Bild morgens um 08:48 Uhr

Innatex

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Werbung bei Social Media

Zack, mal eben schnell Werbung gemacht: Für die Innatex und zwei faire Modelabel, nämlich Veja und O my bag. Und hier im Artikel mache ich es jetzt auch schon wieder. Ich möchte allerdings klarstellen, dass ich die Turnschuhe selbst gekauft und den Rucksack von meinem Mann zum Geburtstag bekommen habe. Und ich habe keine Verträge mit den Firmen.

Aber zum Beispiel poste ich auch immer wieder Bilder von Lanius Essentials. Und diese Mode für berufstätige Frauen habe ich gemeinsam mit Claudia Lanius ins Leben gerufen. Und natürlich gibt es da Verträge. Das immer sauber zu trennen, ist nicht leicht. Transparenz und Authentizität spielen da glaube ich eine große Rolle. Das wird im Verlauf dieses Artikels noch ein Thema sein.

Wo bin ich und warum?

Aber zunächst möchte ich erklären, was die Innatex eigentlich ist und mit wem ich dort über die Chancen und Risiken der Digitalisierung gesprochen habe.

Die Innatex ist weltweit die einzige internationale Naturtextilmesse. Das macht sie für die Label so wichtig, denn zwei Mal im Jahr kommen Händler aus der ganzen Welt dorthin, um nachhaltige Ware zu kaufen. Und zwar nicht nur Bekleidung, sondern auch Accessoires, Heimtextilien, Stoffe und Spielzeug.

Die Gesprächspartner

Und folgende Gesprächspartner haben sich die Zeit genommen, um mit mir über die Digitalisierung zu sprechen.

Mimi Sewalski, sie ist die Geschäftsführerin des Online-Shop Avocado Store.

Michael Spitzbarth, er ist Gründer und Geschäftführer des Label bleed clothing GmbH.

Benjamin Itter, er ist Mitgründer und Geschäftsführer von Lebenskleidung.

Kirsten Brodde, Head of ‚Detox my Fashion‘ Campaign von Greenpeace, sie ist Herausgeberin des blog Grüne Mode und gibt dort und an zahlreichen anderen Stellen Informationen weiter, wie und mit was wir uns bewusster und besser einkleiden können.

Die gesamte – wie mir immer wieder bestätigt wurde – sehr spannende und informative Diskussionsrunde, kann hier angeschaut werden.

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Ohne Social Media geht gar nichts

Grundsätzlich sind alle Beteiligten der Diskussionsrunde schwer beschäftigt mit dem Thema Social Media. Und das absolut zu recht, wie dieser Ausschnitt aus tobesocial.de zeigt.

Eine Studie der Tomorrow Focus Media verdeutlicht das große Interesse der Social Media User an der Modeindustrie: 41,7 % der Frauen und 15,6 % der Männer informieren sich in sozialen Netzwerken regelmäßig über das Thema Mode. Am häufigsten nutzen sie dazu Facebook oder YouTube. Doch wonach suchen sie? Die Fans von Fashion-Marken wollen keine bloße Werbung sehen, sondern sind auf der Suche nach Inspiration. Am beliebtesten bei den Usern sind Einblicke in die Markenwelt, Outfitideen, Kollektionsvorschauen oder die neusten Modetrends. Die Interessen der Fans spiegeln die Potentiale von Social Media Marketing für Modeunternehmen wieder.

Wie geht Social Media?

In der Diskussionsrunde haben alle Teilnehmer bestätigt, dass sie kein Geld haben für eine Social Media Betreuung und deshalb selbst und / oder gemeinsam mit den Mitarbeitern einfach loslegen und rumprobieren.

Deshalb will ich für ein bisschen Unterstützung sorgen und habe Thimo Schwenzfeier gebeten, ein paar Fragen zu beantworten. Er ist Leiter Marketing & Kommunikation der Textilmessen der Messe Frankfurt, darunter die beiden  Eco-Fashion Messen Greenshowroom und Ethical Fashion Show Berlin.

JS: Welche Kanäle sind die wichtigsten für Fashion bzw. Green Fashion?

TS: Das ist ein bisschen abhängig von der Positionierung einer Marke bzw. eines Labels und deren Zielsetzung. Um Geschichten rund um eine Marke oder einen Designer zu erzählen, eignet sich vor allem ein Weblog besonders gut. Das kann dann auch als Ausgangsbasis für das Bespielen weiterer Kanäle dienen. Für schnelle Infos und einen einfachen Dialog halte ich facebook oder auch twitter für sehr geeignet. Die visuelle Darstellung bspw. von ersten Moods und Designs kann sehr gut über Instagram erfolgen oder in Form von Moodboards auch bei Pinterest. Bewegtbildmaterial, bspw. Making-Ofs von Fotoshootings oder von einem Besuch beim Produzenten der Kleidung wird auf youtube oder vimeo hochgeladen, muss aber trotzdem über die vorher genannten Kanäle kommuniziert werden. Oder man postet die Videos direkt, ohne Umweg bspw. bei facebook oder Instagram. Die Möglichkeiten sind aufgrund der Vielzahl der Kanäle sehr vielfältig, manchmal fast schon unübersichtlich.
JS: Wie sollte man die Kanäle bespielen, wo sind die größten Unterschiede zwischen Instagram, Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube, Vimeo, Snapchat?

TS: Aufmerksamkeitsstark, unique und gerne auch ein bisschen plakativ. Es muss zur Marke passen. Ein junges Label mit entsprechender Zielgruppe hat natürlich eine andere Tonalität und Bildsprache als ein Designer von Abendgarderobe für die Frau ab 35. Die Unterschiede der Kanäle liegen in der Art ihrer Ausrichtung und in ihrer Userbase. Den richtigen Mix gibt es meines Erachtens nicht, zumindest nicht auf Anhieb. Hier muss man selbst einfach ein bisschen experimentieren und die Rückmeldungen innerhalb der Kanäle betrachten.

JS: In der Diskussionsrunde wurde Snapchat als unwichtig abgetan. Richtig oder falsch?

TS: Snapchat pauschal abzutun halte ich für falsch und ich kann auch nicht nachvollziehen, dass Kommunikationsprofis diesen Kanal außer Acht lassen. Es ist ein wunderbares Tool für Storytelling in einer Livekommunikation. Allerdings kann ich nachvollziehen, dass man den Aufwand dahinter scheut. Denn bei Snapchat muss man wirklich gewillt sein, sich medial zu inszenieren. Und natürlich wird es von einer hauptsächlich recht jungen Zielgruppe verwendet. Dass die Mechanik dahinter sehr erfolgsversprechend ist, zeigt die neue Funktion von Instagram: Die Story. Das ist im Grunde Snapchat nur (bislang) ohne Filter. Da sieht man, dass hier eine Relevanz gegeben ist. Die Frage wird sein, wie sich Snapchat jetzt gegenüber Instagram positioniert und seine User bei Laune hält.

JS: Wie regelmäßig muss ich in der Fashion Szene online etwas präsentieren?

TS: Wie regelmäßig ist meine Zielgruppe online anzutreffen? Im Grunde genommen dauerhaft. Das beantwortet die Frage, wenn auch überspitzt. Alle zwei Monate mal ein Posting bei facebook abzusetzen oder ein nichtssagendes Bild von einem Model mit Kleidchen bei Instagram zu posten bringt ungefähr gar nichts.

JS: Wie wichtig ist Vernetzung und mit wem?

TS: Social Media basiert auf Vernetzung, daher ist sie die Basis für alles. Hashtags bspw. bei Instagram sind eine hilfreiche Orientierung und sollten daher mit Bedacht eingesetzt werden. Ein Bild zu posten und darunter #mode zu schreiben ist eher wenig erfolgsversprechend. Auch eine Werbeanzeige bei facebook mit genauer Zielgruppenselektion für 50 € kann enorm helfen. Auch bei der Vernetzung stellt sich die Frage nach der Positionierung und der Zielsetzung. Will ich so breit wie möglich streuen oder will ich vor allem relevante, qualitative Kontakte/Fans/Likes haben. Das führt dann auch zur Frage nach „mit wem?“. Der Markt für sogenannte „Influencer“ boomt und fast jeder Instagramer mit mehr als 10k Followern hat in seiner Beschreibung den Hinweis auf die Kontaktmöglichkeit für Anfragen aller Art. Mindestens Produktsamples, oftmals aber auch Honorar. Hier gibt es keine einheitliche Erfolgsformel sondern man sollte genau prüfen, welcher Influencer zu einem Label passen kann und umgekehrt. Wichtig ist, dass man hier durchaus zwischen Influencer Marketing und Influencer Relations unterscheiden sollte. Ersteres sucht Reichweite, zweiteres sucht Beziehungen. Echte Influencer Relations basieren auf Wertschätzung und Austausch auf Augenhöhe.
Spätestens bei der Frage nach der richtigen Vernetzung, manchmal aber auch schon bei der Frage nach den zu bespielenden Kanälen und den entsprechenden Inhalten kann es sinnvoll sein, eine Agentur oder einen freien Experten einzuschalten. Im ersten Moment sind das Kosten, aber diese können sich bei Erfolg und daraus resultierendem Umsatz schnell amortisieren.

JS: Welcher ist der wichtigste Leitsatz oder die wichtigste Regel um mit den Socialen Netzwerken erfolgreich zu sein?

TS: Sei authentisch, sei ehrlich und tu es einfach.

JS: Lösen die Sozialen Netzwerke wirklich die klassische Werbung ab?

TS: Nein, aber sie ergänzen die Klaviatur der Marketingmöglichkeiten. Und sie sind zwar auch Werbeplattform, funktionieren aber nicht nach den gelernten Regeln der Werbung.

JS: Ist mein Eindruck richtig, dass es noch viel zu wenig Bewegtbild gibt?

TS: Im Juli 2015 wurden 400 Stunden Videomaterial pro Minute bei youtube hochgeladen. Also eigentlich ein klares Nein. Aber es gibt definitiv viel zu wenig relevantes Bewegtbild. Zu wenig Emotionen, zu wenig echte Geschichten, die den User reinziehen und teilhaben lassen und vielleicht sogar zum mitmachen animieren. Die Macht des Storytellings wird noch immer unterschätzt, dabei ist der Mensch seit Urzeiten geprägt vom um das Lagerfeuer sitzen und sich gegenseitig Geschichten erzählen. Und die schönsten, authentischsten und emotionalsten Geschichten haben doch gerade die Eco-Labels. Also erzählt sie auch!

 

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